Zielgruppen
Das Angebot richtet sich in der Regel an Familien mit schulverweigernden Jugendlichen im Alter von 14 bis 16 Jahren (spätestens aber bis zur Vollendung ihrer Schulpflicht), die in ihrer Schulentwicklung keine ausreichende Bildungsbereitschaft und Lernmotivation entwickeln konnten Infolge dessen fielen sie in der Schule durch Desinteresse am Bildungsangebot und unregelmäßige Anwesenheit bis hin zur völligen Verweigerung auf und gelten damit als „nicht beschulbar“ an einer „normalen“ Regelschule.
Als Ursachen für das Erscheinungsbild von Lern- und Schulverweigerung lassen sich zahlreiche Faktoren beispielhaft benennen.
Ursachen für Lern- und Schulverweigerung
- Jugendliche erleben einen Sinnverlust des Schulbesuches
- fühlen sich von Eltern zu schulischen Leistungen gezwungen und versuchen einen Loslösungs- prozess zu initiieren
- werden von ihren Eltern in ihrer Verweigerung über unausgesprochene Zustimmung unterstützt
- fühlen sich den Anforderungen von Mitschülern nicht gewachsen, obwohl sie am Unterricht
interessiert sind
- sind ihren Mitschülern überlegen und fühlen sich unterfordert
- sind den schulischen Anforderungen intellektuell nicht gewachsen und suchen nach einer
Mitteilungsmöglichkeit
- leiden an frühkindlicher Vernachlässigung und daraus resultierender latenter Aggressivität und
Destruktivität
- sind nicht an Forderungen gewöhnt und wünschen grundsätzlich die Erfüllung ihres Bedürfnisses
nach Spaß und bedingungsloser Versorgung
- oder müssen familiäre Aufgaben übernehmen, die sie permanent überfordern.
Leistungsverweigernde Jugendliche weisen mannigfaltige Verhaltensauffälligkeiten auf, die sowohl gekoppelt als auch einzeln und in unterschiedlicher Intensität vorhanden sein können, und die einen erhöhten sozialpädagogischen Förderbedarf anzeigen:
- umfassende Lern- und Leistungsverweigerung sowohl gegenüber schulischen als auch
sonstigen Anforderungen
- völlige Verweigerung des Schulbesuchs
- aggressives und ablehnendes Verhalten gegenüber Lehrern, Eltern und anderen Betreuungspersonen
motorische Unruhe und Konzentrationsschwäche
- mangelnde Gesprächs- und Auseinandersetzungsbereitschaft
- Verlust geregelter Tagesstrukturen
- Ablehnung der Familie aufgrund ungelöster Konflikte im Elternhaus
- Drogenkonsum
- Kriminelles Verhalten
- hohe Gewaltbereitschaft
- geringes Durchhaltevermögen und niedrige Frustrationstoleranz
- Fehlen alternativer Verhaltensweisen und Konfliktlösungsstrategien
- Motivationsverlust
- Orientierungslosigkeit in Bezug auf Lebensperspektiven
- manifestierte Destruktivität gegenüber gesellschaftlichen Anforderungen
Schuldistanzierte Jugendliche verfügen in der Regel über ein mangelndes Selbstwertgefühl und unterliegen einer geringen Selbsteinschätzung ihrer persönlichen Fähigkeiten. Infolge anhaltender Misserfolge in der Schule konzentriert sich ihre Selbstwahrnehmung vordergründig auf ihre Defizite. Gleichzeitig reichen ihre sozialen Kompetenzen nicht aus, um Anforderungen offen begegnen zu können. Aus Angst, auftretenden Problemen und Belastungen nicht gewachsen zu sein, reagieren sie oft schon im Vorfeld mit Verweigerung und Aggression.
Die Jugendmanufaktur bietet bildungsabgewandten Jugendlichen die Möglichkeit, sich über handwerkliche und administrative Tätigkeiten neu zu erfahren und über praktische Erfolge wieder Zutrauen zu ihren Fähigkeiten zu bekommen.
Pädagogische Ausrichtung und Ziele
Kernziele der Projektarbeit sind z. B.:
- die Verbesserung der psychosozialen Kompetenzen,
- die Förderung der Erziehungskompetenz der Eltern oder anderer Sorgeberechtigter
- die erfolgreiche Reintegration des Jugendlichen in die Regelschule (Kooperationsschule),
- die Erlangung des Hauptschulabschlusses,
- die soziale Integration des Jugendlichen,
- die Entwicklung von Schlüsselqualifikationen, die für die erfolgreiche berufliche Integration
notwendig sind sowie
- die Stabilisierung vorhandener familiärer Strukturen.
Die Zielsetzung erfolgt gemeinsam mit dem/r Jugendlichen und den am Hilfeprozess beteiligten Betreuungspersonen (Eltern, andere Erziehungsberechtigte, Lehrkraft und VertreterInnen des Projektes) im Rahmen der Hilfeplanung unter Federführung des Jugendamtes. Das Hilfeplanverfahren wird unterstützt durch die individuelle Förderung des/r Jugendlichen mit kurz-, mittel- und langfristigen Zielabsprachen.